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Der Tiefe Brunnen

 
Initiale

Nach einer uralten Sage haust Kaiser Karl der Große in der Tiefe unter der Nürnberger Burg. Keiner hat ihn je gesehen, aber jedes Jahr in der Nacht zum ersten Mai vernimmt man aus dem Tiefen Brunnen auf dem Burgberg merkwürdige Geräusche, wie Traben und Flüstern.

Einmal hatten die Ratsherren einen Mann zum Tode verurteilt, der jämmerlich um sein Leben bat. Die Räte gaben ihm eine Chance. Er sollte in den Tiefen Brunnen hinabsteigen und das Rätsel um Karl den Großen lösen.

Als man ihn hinuntergelassen hatte, entdeckte er in der Dunkelheit neben sich in der Wand eine Öffnung. Er kletterte hinein und kroch durch einen langen Gang. Am Ende des Ganges tat sich ein prächtiger Saal auf.

Der Mann erblickte funkelnde Edelsteine, Ritter in glänzenden Rüstungen und einen Tisch. An seinem Ende saß ein alter Mann, dessen mächtiger Bart durch die Tischplatte hindurch gewachsen war. Es war Kaiser Karl der Große. Auf einmal ging durch den Saal ein Raunen. Die Ritter drehten sich langsam nach dem Eindringling um.

Drei schwarze Raben stießen unter dem Tisch hervor und schossen auf ihn zu. Er griff nach einem Edelstein und rannte den Gang zurück bis zum Grund des Tiefen Brunnens. Als ihn die Ratsherren wieder empor gezogen hatten, erzählte er, was er gesehen, und zeigte den Stein.

Man schenkte ihm das Leben. Seither weiß man, dass es Karl der Große ist, der in der Nacht zum ersten Mai zum Brunnen zieht, um seine Pferde zu tränken.

Der tiefe Brunnen ragt seit dem 12. Jahrhundert im Hof der Nürnberger Burg 50 Meter in die Tiefe. Im Zimmer 32 dagegen ragt eine Maske des alten Kaisers aus der Wand. Starke Nerven im eigenen Kopf oder ein Handtuch über seinem Kopf sind Voraussetzung in diesem Zimmer.