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Peter Henlein

Das nürnberger Ei

 
Initiale

or langer Zeit schuftete ein Nürnberger Schlossermeister Tag und Nacht in seiner Werkstatt. Man sagte, er sei verrückt geworden. Seine Frau wurde bemitleidet und begafft.

Eines Sonntags nach dem Kirchgang - hinter ihrem Rücken hatte sie in der Kirche zu St. Lorenz wieder das Tuscheln der anderen Frauen gespürt - trat sie in die Werkstatt und tadelte ihn, weil er sogar am Tag des Herrn arbeitete. Er lief scheltend hinaus. "Es will mir einfach nicht gelingen, aber du mußt zetern, den ganzen Tag!" Sie blieb weinend zurück.

Da wurde sie des Schränkchens gewahr, in dem das Werk des Gatten verborgen war. Es stand offen. Er hatte vergessen, es abzuschließen. Sie nahm ein winziges Etwas heraus. Es war eiförmig und schlug wie ein Herz. Die Frau erschrak. Es lebte!

Der Teufel mußte mit ihrem Manne im Bunde sein. Sie warf das Ding auf den Tisch und schlug mit einem Hammer darauf ein, bis es in tausend Stücke zerborsten war.

Als sie sich umdrehte, stand der Mann hinter ihr. Schluchzend bat sie um Verzeihung. Doch er sagte: "Heute nacht werde ich von vorne beginnen. Jetzt wird das Werk gelingen. Ich danke Dir." Die Frau verstand. Sie betete die ganze Nacht, während der Mann arbeitete.

Am nächsten Morgen war das Werk vollendet. Die Nürnberger zogen in das Rathaus, wo die Erfindung des Peter Henlein vorgestellt wurde. In einem Glaskasten lag eine zarte tickende Uhr, so klein, wie sie noch nie ein Mensch gesehen hatte. Sie wurde bald berühmt als "Nürnberger Ei".

Peter Henlein (1485-1542) ist selbst einer der Nürnberger Mythen. Im Zimmer 21 lernen Sie ihn kennen. Die winzige Uhr können Sie im Germanischen Nationalmuseum bestaunen.