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Till Eulenspiegel im Heilig-Geist-Spital

 
Initiale

m Spital zum Heiligen Geist kam eines Tages ein langer schwarzer Herr mit weißer Perücke und einem Raben auf der Schulter daher. Er bot dem Bader an, für zweihundert Gulden alle Kranken zu heilen. Der Bader war faul und willigte ein. Heimlich flüsterte der Herr allen Kranken zu, dass er morgen die große Heilung beginnen werde.

Dazu brauche er getrocknetes Menschenfleisch. Nach Sonnenaufgang werde er denjenigen, der als letzter durch die Tür humpele, zu Pulver zerstampfen müssen. Die Kranken verbrachten eine schlaflose Nacht, und als der Tag graute, stolperten alle Aussätzigen, Beinlosen und Lahmen zur Tür, lautes Gerümpel war zu hören, Laken flogen durch die Luft. In Windeseile waren alle verschwunden.

Der Bader händigte dem langen Herrn zufrieden das Säcklein mit dem Geld aus. Der verabschiedete sich herzlich und eilte mit seinem Raben davon. Zu ihm gesellten sich zwei weitere Raben, deren Kreischen dem Bader einen Augenblick wie höhnisches Gelächter erschien. Dennoch schenkte er sich feierlich einen Humpen Wein ein.

Als er aus dem Fenster blickte, sah er die Kranken wimmernd wieder vor dem Tore. Daran hing aber der schwarze Mantel und die Perücke. An der Wand erblickte der Bader ein mit schwarzer Kohle gekritzeltes Symbol: es war eine Eule neben einem Spiegel. Da wußte der Bader, dass niemand anderes als Till Eulenspiegel, der Erzschelm, ihm einen bösen Streich gespielt hatte.

Geschichten von Till Eulenspiegel gibt es überall. Diese eine gibt es nur in Nürnberg. Die drei Raben lieben diese Geschichte. So dass sie versucht haben, das Symbol mit der Eule im Zimmer 51 nachzukritzeln. Die Geschichte sollten Sie entspannt im Bett des Zimmers lesen, sonst verdrehen Sie sich den Hals.