Top

Albrecht Dürer in Rom

 
Initiale

ichelangelo saß spät in der Nacht in seiner Werkstatt in Rom und arbeitete an einem Bild. Da betrat ein junger Mann aus Germanien die Werkstatt, der bei ihm dienen wollte. Unwillig winkte der große Maler ab. Der Fremde blieb hartnäckig und bewunderte in verständiger Weise das Bild, an dem Michelangelo malte. Schließlich erlaubte ihm der Künstler, als Farben¬reiber zu arbeiten. Darauf begab er sich zur Ruhe und ließ den Jungen in der Werkstatt zurück.

Als er am nächsten Morgen in die Stube trat, war der Lehrling verschwunden. Michelangelo betrachtete sein Bild. Er trat vor und wischte mit der Hand eine Fliege zur Seite, die sich auf die Stirne eines Engels gesetzt hatte. Von neuem betrachtete er das Bild. Die Fliege war immer noch da. Er gab ihr einen Stoß, doch sie blieb wie festgeklebt sitzen. „Welch stures Insekt!“ Ein drittes Mal versuchte er, die Fliege zu verscheuchen, da erkannte er, dass das Tier gar kein lebendiges Wesen war. Jemand hatte es so täuschend auf die Stirne des Engels gemalt, dass man meinen konnte, sie würde im nächsten Moment auf und davon fliegen. Es war ein Kunstwerk. Da rief der Maler: „Das kann nur der Teufel oder Albrecht Dürer gewesen sein.“

Der war längst über alle Berge. Rom lag hinter ihm im Schimmer des Morgens. In der vergangenen Nacht war der größte Maler Deutschlands dem größten Künstler Italiens begegnet. Singend zog Dürer seiner Heimatstadt Nürnberg entgegen. Dort, auf dem Schornstein seines Hauses erwarteten drei Raben seine Rückkehr.

Das Haus des großen Malers Albrecht Dürer (1471 – 1528) befindet sich auf dem Tiergärtnertorplatz bei der Burg. Es ist zugleich ein Museum. Das Zimmer 33 erzählt von Albrecht Dürer und gibt dem Gast ein Rätsel auf: erkennen Sie die Silhouette des Sandsteins hinter Ihrem Bett?